Evang. luth. Kirchengemeinde-Westensee
Kirchengemeinde Westensee
Sonstiges ♦ St. Catharinen
Mo  26. September 2016
 
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Wegweiser durch St. Catharinen


Das Gebiet um den Westensee wurde als letzter Teil Ostholsteins Anfang des 13. Jahrhunderts im Zuge der deutschen Ostkolonisation besiedelt. Unter der Führung eines Rittergeschlechts, das bald den Namen de Westensee annahm, wurde der Isarnho (eiserner Wald), der bis dahin das Land bedeckte, gerodet. Man legte Dörfer an.

Mit den Siedlern kam das Christentum. Die Catharinen - Kirche wurde als Tochter (filia Filiale) des Klosters Neumünster errichtet. Das Gebäude dürfte ursprünglich als eine der damals üblichen Vicelin-Kirchen gestaltet worden sein. Das Kirchenschiff war klein, mit niedrigen Feldsteinmauern und flachem Dach. An der Ostseite (Richtung Altar) gab es eine viereckige oder halbrunde Apsis (Altarnische), im Westen einen runden Turm. Der Eingang befand sich damals an der Südwand (rechts vom heutigen Haupteingang). Er ist von außen noch erkennbar an dem zugemauerten Türbogen. Bei Ausgrabungen wurden die Reste der alten Grundmauern gefunden.

Das Gotteshaus wurde bald Wallfahrtskirche. Das bedeutete reiche Spenden der Wallfahrer! Damit konnte um 1320 der gotische Chor (wo heute die Stühle stehen) angebaut werden. Um 1505 wurde das Kirchenschiff verlängert und der jetzige viereckige Turm errichtet. Übrigens: Wie alle christlichen Kirchen steht auch die in Westensee in Ost-West-Richtung, der Altar im Osten. Nach der Reformation betraute der Landesherr die örtlichen Besitzer der adeligen Güter mit der Regelung der kirchlichen Angelegenheiten. Das ist an der Kirche zu erkennen: Die Vorbauten an den Außenmauern - ab 1691 errichtet - sind frühere Grabkapellen der Adelsfamilien Zuvor dienten diesem Zweck Grüfte unter dem Fußboden der Kirche.

Der Vorraum im Turmteil: Er war in katholischer Zeit Taufkapelle und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Gedenkraum für die Opfer der Gemeinde umgestaltet. Im bunten Fenster ist die heilige Katharina dargestellt, die, aufs Rad geflochten, in Alexandria den Märtyrertod fand. Außerdem: die Wappen Schleswig-Holsteins und der verlorenen Ostgebiete. Die Plastik des kreuztragenden Christus wurde von dem früh verstorbenen Gutsbesitzer Carsten v. Hedemann (Deutsch-Nienhof) geschaffen.

Im Kirchenschiff befinden sich gleich links und rechts vom Eingang die fünf Kirchenstühle, logenartige Sitzgelegenheiten für die Familien der Gutsbesitzer, in folgender Anordnung (vom Eingang aus gesehen, Blick zum Altar)



Emkendorf     Westensee     Schierensee     Bossee     Deutsch-Nienhof

An der Südwand (vom Eingang rechts) sind drei Grabplatten angebracht. Sie waren ursprünglich im Fußboden über den Grüften eingefügt. Die rechte ist die der letzten Ahlefelds auf Westensee, die linke die der Großeltern Daniels v. Rantzau, dessen Denkmal aus Gotland-Sandstein rechts vom Chorbogen (wo das Kreuz hängt) ist. Dieses Denkmal war ursprünglich farbig. Daniel v. Rantzau (1529 - 1569), Gutsherr auf Nienhof, führte das dänische Heer von 1563 bis zu seinem Tod gegen Schweden. Er erwarb großen Ruhm, fiel aber bei der Belagerung Warborgs. Sein Leichnam, der in einer Zinkhülle nach Hause kam, wurde in der Familiengruft beigesetzt. Darüber errichteten seine Brüder ein prächtiges Denkmal. Es wurde später aus Raummangel abgerissen. Seine Reste wurden 1918 wieder zusammengetragen, und das Denkmal erhielt seine heutige Gestalt.

Links vom Haupteingang hängen zwei Gemälde. Beide waren nacheinander Altarbilder des 1957 entfernten Barockaltars, einmal das Abendmahl aus dem 18. Jahrhundert, ferner eine Kopie der Beweinung Christi von Jürgen Ovens (1675). Das Original befindet sich in der Kirche zu Friedrichstadt. An der gleichen Wand hängt ein hölzernes Epitaph (Grabschrift). Der lateinische Text erinnert an Pastor Balthasar Oldeneiken, der 1579 mit seiner Frau und zwei Töchtern starb.

Die Kanzel ist eine Renaissance-Arbeit aus dem späten 16. Jahrhundert. Im Bogen zum Chor (dem Raum mit den Stühlen) hängt ein Triumphkreuz. Der Corpus des Gekreuzigten wird auf das Ende des 15. Jahrhunderts datiert. Das Kreuz ist erneuert. Im Chor. Am Fenster halblinks vom Altar sind noch Reste der ersten Ausmalung (ein doppelter Fugenstrich der Quaderausmalung) erhalten. In der Nische der rechten Wand befindet sich eine spätmittelalterliche Rankenausmalung. Das fünfsitzige Chorgestühl erinnert an die fünf ewigen Vikarien in katholischer Zeit.

Das Kreuzigungsrelief des Altars (frühes 16. Jahrhundert) besteht aus vier Holzblöcken. Die verloren gegangenen Seitenflügel sind durch schlichte Flügel ersetzt. Darunter auf der Predella das Bild des Passahmahles, eine Bauernmalerei aus dem 18. Jahrhundert. Der aus rotem Backstein gemauerte Altartisch weist auf beiden Seiten bogenförmige Hohlräume auf. Sie waren vermutlich früher Aufbewahrungsorte der Reliquien. Die Bibel auf dem Altar wurde 1690 gedruckt.

Das schlichte Taufbecken stammt aus der Entstehungszeit der Kirche. Es stand längere Zeit (als Blumenkübel zweckentfremdet) im Emkendorfer Park. Der Kronleuchter aus Messing stammt aus dem Jahre 1715. Die Schwalbennestorgel im Chor wurde 1979 von R. Neuthor fertiggestellt.

Wilhelm Ricker