+) epd-nordm@il, 3. März 2009 +)

Nordkirche: Kirchenspitzen zuversichtlich über geplante Fusion
Kirchengewerkschaft VKM lehnt Nordkirchen-Vertrag ab
"Woche der Brüderlichkeit" in Hamburg eröffnet
Nordelbiens erste "Kirche der Stille" eröffnet
Flüchtlingspastorin: Kirchenasyl aktiviert das Gemeindeleben
Thissen: Widerstand gegen Rechtsextremismus ist Christenpflicht
Theologie-Professor ruft Manager zum Maßhalten auf
Neuer Organist an St. Marien in Lübeck
Zollitsch fordert Klarstellung von der Pius-Bruderschaft


Nordkirche: Kirchenspitzen zuversichtlich über geplante Fusion

Lübeck (epd). Führende Vertreter der evangelischen Landeskirchen von Nordelbien, Mecklenburg und Pommern haben sich zuversichtlich zu geplanten Nordkirchen-Fusion geäußert. Bei einem Treffen von Synodalen der drei Partnerkirchen im Lübecker Dom betonten Bischöfe und Synodenpräsidenten mehrheitlich, dass die erforderlichen Zweidrittel-Mehrheiten bei den parallelen Abstimmungen über den Fusionsvertrag Ende März erreicht werden können.

"Wir gehen von einer Zustimmung zur Nordkirche aus", erklärten übereinstimmend die Synodenpräsidenten Heiner Möhring (Mecklenburg) und Rainer Dally (Pommern). Zwar würden beide Kirchen ihre landeskirchliche Eigenständigkeit aufgeben und zu Kirchenkreisen werden. Diesen komme im Verbund der Nordkirche jedoch ein großes Gewicht zu. Thomas Baum, Synoden-Vize aus Nordelbien, beantwortete die "Sonntagsfrage" zur Abstimmung über die Fusion mit einem offenen "fifty-fifty". Es gelte, noch Überzeugungsarbeit zu leisten, sagte er. Der mit Spannung erwartete Synodentag zur Nordkirchen-Fusion im Lübecker Dom verlief ohne öffentliche Proteste.

Auch Nordelbiens Bischof Gerhard Ulrich betonte erneut "die lebendigen Strukturen" einer Nordkirche. Sie habe "viele Zentren" und "gewollt starke Regionen", die schon in der Vergangenheit auch über die Ost-West-Grenze hinaus "bestens kooperiert" hätten. Jetzt wolle man diesen gelungenen Kooperationen "eine neue Verbindlichkeit" geben. Die Fusion zur Nordkirche bedeute für alle Partner, "neue Perspektiven für die Zukunft zu beschließen", sagte er.

Ulrich räumte ein, dass der am 5. Februar in Ratzeburg unterschriebene Fusionsvertrag auch Kompromisse enthalte. Dies gelte etwa für die Standortentscheidung gegen Lübeck und für Schwerin als Sitz des Landesbischofs. Es sei jedoch falsch zu meinen, dass mit dem Beschluss des Fusionsvertrages "gar nichts mehr verändert werden" könne. "Mit der Fusion fängt der gemeinsame Weg erst richtig an", sagte er. Einzelheiten würden in den kommenden Jahren von der verfassungsgebenden Synode erarbeitet.

Eine fusionierte Nordkirche kann nach Ansicht des Theologen Michael Beintker aus Münster "die evangelische Stimme in Europa stärken". Spätestens seit der Jahrtausendwende sei deutlich geworden, dass die evangelischen Kirchen viel enger zusammenarbeiten müssten, wenn sie auf den politischen und gesellschaftlichen Ebenen des zusammenwachsenden Europas wahrgenommen werden wollen, sagte der Professor für reformierte Theologie vor den Kirchenparlamentariern.

Die Nordkirche mit insgesamt 2,4 Millionen Kirchenmitgliedern soll zum 1. Januar 2012 gegründet werden. Endgültig entscheiden die Synoden der drei beteiligten evangelischen Landeskirchen in Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern in parallelen Sitzungen über die Fusion.

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Kirchengewerkschaft VKM lehnt Nordkirchen-Vertrag ab

Kiel (epd). Die Kirchengewerkschaft VKM lehnt den Vertrag zur Bildung einer evangelischen "Nordkirche" ab. Grund sind die im Vertrag enthaltenen Regelungen zu Tarifverträgen und zum Arbeitsrecht. Der VKM könne diese Vertrags-Passagen so nicht akzeptieren, sagte der VKM-Vorsitzende Klaus-Dirk Wildoer dem epd. Er ist stellvertretendes Mitglied der nordelbischen Synode und will auf der Sitzung Ende März in Rendsburg gegen das Vertragswerk stimmen. Hauptberuflich ist er Vorsitzender der Mitarbeitervertretung ("Betriebsrat") des Kirchenkreises Schleswig.

Der VKM (Verband Kirchlicher Mitarbeiter) lehnt es ab, dass im Vertrag verschiedene Regelungen zum Arbeitsrecht enthalten sind. Wildoer forderte erneut die Beteiligung der Gewerkschaften bei Tarifverhandlungen in der künftigen "Nordkirche". Laut Fusionsvertrag soll es im Bereich der nordelbischen Kirche in Schleswig-Holstein und Hamburg bei der Tarifpartnerschaft bleiben. In den künftigen Kirchenkreisen Mecklenburg und Pommern werden die Gehälter und Arbeitsbedingungen zumindest in den kommenden sechs Jahren von Mitarbeitervertretungen und Kirchenleitung ohne Beteiligung der Gewerkschaften ausgehandelt.

Wildoer verwies darauf, dass die späteren Kirchenkreise Mecklenburg und Pommern ein Veto-Recht bekommen sollen. Wenn also tatsächlich die künftige Synode der neuen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland mehrheitlich für den Tarifweg votieren sollte, könnten die beiden östlichen Kirchenkreissynoden immer noch ein Veto einlegen. "Das kann es ja wohl nicht sein", sagte Wildoer. Womöglich stehe später sogar auch für die Arbeitnehmer aus Schleswig-Holstein und Hamburg der Tarifvertrag auf dem Spiel.

Die drei Synoden von Nordelbien, Mecklenburg und Pommern werden Ende März auf parallelen Tagungen über den Fusionsvertrag entscheiden. In Nordelbien sind Arbeitnehmer wie Küster, Gärtner oder Verwaltungsangestellte in der Regel im VKM oder bei ver.di organisiert.

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"Woche der Brüderlichkeit" in Hamburg eröffnet

Hamburg (epd). Unter dem Motto "1949-2009 - Soviel Aufbruch war nie" ist in Hamburg die "Woche der Brüderlichkeit" eröffnet worden. Bundespräsident Horst Köhler würdigte angesichts der Auseinandersetzungen um die Holocaust-Leugnung des Traditionalistenbischofs Richard Williamson die Erfolge des jüdisch-christlichen Dialogs: "Wir dürfen nicht zulassen, dass Enttäuschungen wegwischen, was im jüdisch-christlichen Dialog in Jahrzehnten erreicht worden ist", sagte er zur zentralen Eröffnung im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg.

Köhler betonte, dass Antisemitismus und Antijudaismus nirgendwo einen Platz haben dürften: "Wer gegen Juden und andere Minderheiten hetzt, wer Anderen die Menschenwürde abspricht, hat aus unserer Geschichte nichts gelernt", sagte er und fügte unter Beifall hinzu: "Treten wir solchen Leuten entschieden entgegen!" Die "Woche der Brüderlichkeit" könne aber vielleicht auch dazu dienen, Fehler zu vergeben: "Nur gemeinsam können wir aus der schmerzlichen Lage wieder herausfinden und weiter am guten Miteinander bauen", sagte der Bundespräsident.

In der Feierstunde, an der auch Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden, teilnahm, erhielt der katholische Alttestamentler Erich Zenger (68) die Buber-Rosenzweig-Medaille. Der renommierte Bibelwissenschaftler aus Münster sei "ein einzigartiger Vertreter des christlich-jüdischen Dialogs", sagte Kardinal Karl Lehmann in seiner Laudatio. Zenger habe gegen alle Formen einer Unterbewertung des Alten Testamentes, gegen antijüdische Klischees "und erst recht gegen jeden Antisemitismus" gekämpft. Gerade im Zusammenhang mit der "unsäglichen Auseinandersetzung" der vergangenen Wochen um den Antisemitismus in der katholischen Kirche erhalte Zenger die hohe Auszeichnung zur rechten Zeit, sagte der Kardinal.

Die katholische Präsidentin des Deutschen Koordinierungsrates der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Eva Schulz-Jander, lobte das "solide Fundament" der Gespräche zwischen katholischer Kirche und Judentum. Die Aufhebung der Exkommunikation gegen vier Bischöfe der Pius-Bruderschaft habe weltweit Empörung und Irritationen hervorgerufen, die auch eine neue Sprachlosigkeit befürchten ließen. Doch statt eines Abbruchs der Gespräche habe es einen neuen Aufbruch gegeben und "ein freieres, offeneres Verhältnis zueinander".

Schulz-Jander kritisierte auch antisemitische Tendenzen, die sich während des Gaza-Krieges gezeigt hätten. Getarnt als Anti-Zionismus habe der "menschenverachtende Antisemitismus seine Fratze offener als gewöhnlich" gezeigt. Er sei aber nicht unwidersprochen geblieben. Viele hätten verdeutlicht, dass Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit keinen Platz in der Gesellschaft hätten.

Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust (CDU) sprach von einer "zunehmenden Normalität" des Dialoges zwischen Juden und Christen, der damit seinen "pathetisch-weihevollen Charakter" verliere. Je normaler das Zusammenwirken sei, desto leichter werde es auch, sagte er.

Die "Woche der Brüderlichkeit" wird seit 1952 vom Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit organisiert und steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten.

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Nordelbiens erste "Kirche der Stille" eröffnet

Hamburg (epd). Mit einer feierlichen Prozession ist in Hamburg-Altona Nordelbiens erste "Kirche der Stille" eröffnet worden. Hier werden künftig stille Andachten, Meditationen und spirituelle Vorträge angeboten. Eine "Kirche der Stille" sei ein Ort, an dem Menschen auf ihrem geistlichen Lebensweg neue Schritte probieren könnten, sagte Propst Horst Gorski. "Was da geschieht, ist unverfügbar, wird von Gott geschenkt." Die neugestaltete Kirche ist künftig auch jeden Tag für Besucher geöffnet, die zur Ruhe kommen und Kraft schöpfen möchten.

Die neugotische Christophoruskirche (Helenenstraße) in Bahnhofsnähe war ursprünglich eine traditionelle evangelische Gemeindekirche. Im Zuge der Neuorganisation der kirchlichen Angebote wurde sie für rund 400.000 Euro zu einem Andachtsraum für Meditation und stille Einkehr umgebaut. Damit knüpft die Gemeinde bewusst an die Tradition der christlichen Mystik an. Kanzel, Altar und Taufbecken waren im Juni 2007 in einem Gottesdienst "ausgesegnet" und die Kirchenbänke verschenkt worden. Finanziert wurde der Umbau durch den Verkauf eines Grundstücks.

Der Innenraum wurde nach Feng-Shui-Prinzipien umgestaltet. Die Besucher erwartet ein hoher weißgestrichener Kirchenraum mit Kissen und Sitzbänken auf hellem Parkett. Zentrum der erneuerten Kirche ist eine "gestaltete Mitte". Die Besucher sollen sich nicht zum Altar nach Osten, sondern unter einem achteckigen Leuchter zur Mitte ausrichten. Für Vorträge können Stühle, für Meditationen Fußbänke und Matten genutzt werden. Die alte Orgel ist erhalten geblieben. Die Glocken wurden durch Filzbelege gedämpft.

Der spritiuelle Weg der Menschen gleiche einem Labyrinth, so Propst Gorski weiter. Er sei ein stetiges Wandern zwischen Außenwelt und Innenwelt. Wer glaube, er sei im Innern angekommen, den treibe es wieder nach außen - und umgekehrt. Gorski: "Immer wenn wir glauben, wir könnten uns zur Ruhe setzen, weil wir angekommen wären, treibt es uns wieder fort." Ankommen werde nur, wer den Wunsch danach loslasse.

Die Kirche wird alltags von 12 bis 18 Uhr geöffnet sein. Morgens um 8 Uhr werden Gebete, Bewegungsmeditationen, Mantra-Singen und Qigong angeboten. Beendet wird der Tag um 18 Uhr mit einer halbstündigen "Atempause". Einmal im Monat feiert Pastorin Irmgard Nauck einen Meditationsgottesdienst. Außerdem kann der Kirchenraum für Stillarbeit von Gruppen gemietet werden.

Infos im Internet: www.kirche-der-stille.de

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Flüchtlingspastorin: Kirchenasyl aktiviert das Gemeindeleben

Rendsburg (epd). Die Aufnahme von Flüchtlingen im Kirchenasyl hat das Gemeindeleben in den betroffenen Kirchengemeinden aktiviert. Dies hat Nordelbiens Flüchtlingspastorin Fanny Dethloff auf einer Fachtagung im Diakonischen Werk Schleswig-Holstein in Rendsburg berichtet. Wenn von Abschiebung bedrohte Menschen in Gottes- oder Gemeindehäusern aufgenommen und betreut wurden, seien Christen verstärkt aktiv geworden und hätten neue Formen der Zusammenarbeit erprobt. Das Kirchenasyl habe als Nebeneffekt oft den Gemeindeaufbau gefördert.

Auf der Rendsburger Tagung stand die Frage im Mittelpunkt, welche Aufgaben eine Volkskirche in einer Einwanderungsgesellschaft hat. Hintergrund ist, dass bereits 20 Prozent aller Menschen in Deutschland einen Migrationshintergrund haben. Im Jahr 2010 werde dies auf 40 Prozent aller Kinder unter 14 Jahren zutreffen.

Vor diesem Hintergrund regte der Schleswiger Bischof Gerhard Ulrich an, im Umgang mit Migranten von Kindern zu lernen. Der Vorsitzende der Kirchenleitung Nordelbiens berichtete von einem evangelischen Kindergarten in einem Dorf bei Flensburg, in dem vor einigen Jahren auch Mädchen und Jungen aus Osteuropa aufgenommen wurden. Alle Kinder hätten überaus schnell Freundschaften geschlossen und sich gegenseitig ihre Sprache beigebracht. Dies, so Ulrich, habe ihn an Worte von Jesus erinnert: "Lasst die Kinder zu mir kommen."

Der interkulturelle Beauftragte der Ev. Kirche Hessen-Nassau, Andreas Lippsch, forderte die Kirche zu einer neuen Personaldiskussion auf. Es müsse geprüft werden, ob wie bisher für Erzieherinnen die Mitgliedschaft in der evangelischen Kirche weiterhin zwingend notwendig ist. Ingo Habenicht vom Diakonischen Werk Hamburg berichtet von der Bewerbung einer muslimischen Diplom-Pädagogin, die bei der Telefonseelsorge ehrenamtlich mitarbeiten will. Die Ausbildung dauere immerhin ein Jahr. Ob die Bewerbung berücksichtigt werden könne, werde derzeit diskutiert.

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Thissen: Widerstand gegen Rechtsextremismus ist Christenpflicht

Schwerin (epd). Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen hat den Widerstand gegen Rechtsextremismus als "Christenpflicht" bezeichnet. Er wolle damit einer verbreiteten Auffassung widersprechen, wonach allein der religiöse Glaube die katholischen Gläubigen verbinde, erklärte Thissen auf einer Veranstaltung in Schwerin.

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Theologie-Professor ruft Manager zum Maßhalten auf

Kiel (epd). Der Bamberger Theologie-Professor Henrich Bedford-Strohm (48) hat Unternehmer und Manager angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise zum Maßhalten aufgerufen. In Zeiten eines drohenden Abbaus von Arbeitsplätzen seien maßlos hohe Gehälter und Sonderzahlungen noch unpassender als sie ohnehin schon sind, sagte Bedford-Strohm in Kiel auf einer Veranstaltung des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt (KDA).

Bedford-Strohm ist Mitglied der Kammer für Soziale Ordnung des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Mitverfasser der Mitte vergangenen Jahres erschienenen EKD-Denkschrift zum unternehmerischen Handeln. Der Theologe verwies auf den Reformator Martin Luther, der schon 1524 Anstoß an unverhältnissmäßig hohe Einkommen genommen habe.

Mit Blick auf die in kürzester Zeit zu Reichtum gekommenen Unternehmer des Frühkapitalismus hatte Luther seinerzeit festgestellt: "Wie soll das immer mögen göttlich und recht zugehen, dass ein Mann in so kurzer Zeit so reich werde, dass er Könige und Kaiser aufkaufen möchte?"

Bedford-Strohm verwies auf den Aufruf in der Denkschrift, demzufolge sich global tätige Unternehmen an der Etablierung "einer ethisch begründeten globalen Rahmenordnung und entsprechender internationaler Institutionen mitwirken" sollen. Sie würden Verantwortung tragen müssen für die Einhaltung der Menschenrechte insbesondere in armen Ländern, wo die Menschen oft unter schlechten Bedingungen und für Hungerlöhne arbeiten müssten.

Die Denkschrift, so der Theologe, bejahe unternehmerisches Handeln im Rahmen der sozialen Marktwirtschaft. Sie gebe aber keinen Freibrief, "sondern binde dieses Handeln an ethische Orientierungen". Der Markt dürfe nicht nur den Starken, sondern müsse auch den Schwächeren nützen.

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Neuer Organist an St. Marien in Lübeck

Lübeck (epd). Holger Gehring (39) ist zum neuen Organisten der Lübecker St. Marienkirche gewählt worden. Er tritt damit zum 1. Mai die Nachfolge von Marienorganist Ernst-Erich Stender an, der Ende April in den Ruhestand gehen wird. Gehring ist damit zugleich der zehnte Nachfolger des Komponisten Dietrich Buxtehude (1637-1707), der auch St. Marien wirkte.

Gehring stammt aus Bielefeld und studierte in Stuttgart, Basel, Frankfurt und Lübeck. Er gewann zahlreiche Preise bei internationalen Orgelwettbewerben. Zuletzt war er als Organist an der Dresdner Kreuzkirche und als Orgelsachverständiger der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsen tätig. Mit einem Orgelkonzert am 30. Mai (18.30 Uhr) und einem Gottesdienst am 31. Mai (10 Uhr) wird er in St. Marien eingeführt.

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Zollitsch fordert Klarstellung von der Pius-Bruderschaft

Hamburg (epd). Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hat von der ultrakonservativen Pius-Bruderschaft die volle Anerkennung der Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils und der Autorität des Papstes gefordert. Benedikt XVI. habe die Exkommunikation der vier Pius-Bischöfe aufgehoben, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen, sagte Zolitsch zu Beginn der Frühjahrsvollversammlung in Hamburg. Sollten die Gespräche nicht zu einer einvernehmlichen Lösung führen, trete die Exkommunikation wieder in Kraft. Er selbst werde in der kommenden Woche nach Rom reisen, um dieses Thema mit dem Papst zu beraten.

Bis Donnerstag werden die 68 katholischen Bischöfe in Hamburg die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise, die Zukunft der katholischen Schulen und die Seelsorge in der Palliativmedizin (Sterbebegleitung) beraten. Die Erklärung des Holocaust-Leugners Bischof Richard Williamson nannte Zollitsch völlig unzureichend. Er wies darauf hin, dass trotz Aufhebung der Exkommunikation die Pius-Bischöfe keine Ämter in der katholischen Kirche bekleideten. Die Bischofskonferenz werde am Donnerstag dazu eine Stellungnahme abgeben.

Zollitsch bekräftigte, dass der Holocaust mit Abtreibungen nicht vergleichbar seien. Der Holocaust sei die gezielte Vernichtung eines ganzen Volkes gewesen, während die Abtreibung jeweils eine Einzelentscheidung sei. Zollitsch reagierte damit auf Äußerungen des Augsburger Bischofs Walter Mixa, der mit seinem Vergleich am Aschermittwoch für Irritationen gesorgt hatte. Der angebliche Vergleich sei ein Missverständnis, erklärte ein Bistumssprecher am Montag. Für Mixa sei der Mord an rund sechs Millionen Juden ein "absolut singuläres Verbrechen".

Kritik übte Erzbischof Zollitsch am Berliner Senat. Nach dem erfolgreichen Volksbegehren "Pro Reli" wäre ein Volksentscheid zur Europawahl am 7. Juni sinnvoll gewesen. Mit der Festlegung des Volksentscheids auf den 26. April zeige der Senat mangelnde Fairness. Er begrüße die Initiative "Pro Reli", die eine Gleichrangigkeit der Schulfächer Religion und Ethik fordert.

Zollitsch lobte das gute ökumenische Klima in Hamburg. Die Grußadresse der evangelischen Bischöfin Maria Jepsen zeige die Verbundenheit der beiden Konfessionen. In ihrem Brief hatte Jepsen an die gute Zusammenarbeit der christlichen Kirchen erinnert, wie sie sich im ökumenischen Zentrum in der Hafencity und am gemeinsamen Religionsunterricht in Hamburg zeige. Kirchliches Leben, so hatte Jepsen geschrieben, könne glaubwürdig nur ökumenisch verstanden werden.

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